Projekt
"Rettet den Frauenschuh"
Die Ikone unter den einheimischen Orchideen ist der Frauenschuh. Doch seine zauberhafte Blüte wurde ihm zum Verhängnis: Trotz Schutzstatus wurde er masslos «gewildert». Dem will ein neuer Rettungsplan nun einen Riegel vorschieben.
Vergängliche Schönheit
Orchideen sind allgemein gefährdet und daher geschützt. Speziell der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) geht in der ganzen Schweiz signifikant zurück, und das besonders drastisch im zentralen und westlichen Mittelland. Im Jurabogen und im Grossraum Basel ist er bereits ausgestorben. Wichtige Gründe für den Rückgang in der Schweiz (und im europäischen Umfeld) sind unter anderem Klima- und Biotopveränderungen – aber auch das illegale Räubern dieser ikonischen Pflanze hat seinen Teil hierzu beigetragen.
Jagd auf Orchideen
Orchideenraub gab es schon früher, wie beispielsweise eine Fotografie vom Marktplatz in La Neuveville von 1921 belegt, auf der wildgewachsener Frauenschuh offen zum Kauf angeboten wird. Doch es gibt solche Fälle auch heute noch, wie beispielsweise eine Grossplünderung im Jahr 2010 bei Scuol im Unterengadin zeigt, wo rund 2000 blühende Frauenschuh-Orchideen aus der Natur gestohlen wurden, obschon sie in Gärten ohnehin nicht lange überleben. Die Schuldigen konnten nie eruiert werden.
Schachmatt für Blumenschelme
Nun soll dem Frauenschuh eine Art Schachmattprinzip helfen. Die Idee: Man vermehrt die Orchideen im Labor und pflanzt sie dann in freier Natur wieder aus. Parallel dazu kultiviert man einheimischen, auf eine längere Blütezeit selektionierten Frauenschuh, der – analog den tropischen Hybriden – in den Handel gelangt. So ist er legal und zudem günstiger zu erwerben als «gewilderter» auf dem Schwarzmarkt, und er blüht erst noch fast doppelt so lange.
Gemeinsam zum Erfolg
Doch Frauenschuh in vitro zu vermehren und auszupflanzen, erwies sich als extrem schwierig, wie schon erste Versuche in England zeigten. Dort existierte 1970 gerade noch eine einzige, Tag und Nacht bewachte Pflanze. Mittlerweile gibt es dank diesen Bemühungen wieder einige Vorkommen. In der Schweiz verfolgen dieses Ziel zwei Orchideenspezialisten aus dem Raum Basel. Weil sich aber das Aussäen von Samen wildwachsender Pflanzen als nicht zielführend erwies und die In-vitro-Kultur unter anderem entsprechende Anlagen und gärtnerisches Know-how erfordert, suchten sie sich einen Partner.
Den idealen Projektpartner fanden sie in einer Grossgärtnerei in den Niederlanden, in der Nähe von Rotterdam, die spezialisiert ist auf die Zucht und Vermehrung von Flamingoblumen, Phalaenopsis- und speziell gezüchteten «Garten-Orchideen».
Nun brauchte es noch den Goodwill der Behörden beider Länder. Denn Cypripedium calceolus ist eine geschützte Spezies und unterliegt den Cites-Bestimmungen zum Handel mit solchen Arten. Die Schweiz und die Europäische Union führen die Pflanze jedoch auf verschiedenen Listen. Für die Ausfuhr der Frauenschuh-Samenkapseln bedurfte es daher zwar keiner Schweizer Exportgenehmigung. Die Niederlande allerdings verlangten eine solche – und zudem eine niederländische Importgenehmigung.
Kantonale Unterstützung
Das Auskeimen der Sämlinge und das anschliessende Heranwachsen der Vorkeimlinge ist ein schwieriges Unterfangen. Zuerst werden die Samen im Gewebekulturzentrum der Grossgärtnerei in Flaschen mit steriler Nährlösung zum Keimen gebracht. Die Keimlinge kommen dann in (nichtsterile) Erde und werden in klimatisierten Gewächshäusern mehrmals umgetopft. Erst nach drei bis vier Jahren sind sie kräftig genug für das Auspflanzen. Im derzeitigen Pilotversuch zogen die Gärtner so rund 28 000 Keimlinge auf, wovon etwa 3500 für die «Repatriierung» in die Schweiz ausgewählt werden. Im Juni sollen die ersten Auspflanzungen stattfinden. Bis jetzt nehmen neun Kantone am Projekt teil: Neuenburg, Jura, Basel-Stadt, Baselland, Bern, Obwalden, Aargau, Zürich und St. Gallen.
Die Kosten des Projekts von rund 40 000 Euro übernimmt die Grossgärtnerei selbst. Dafür darf sie einen Teil der Keimlinge benutzen, um zu versuchen, länger blühende Frauenschuh-Orchideen für den Handel zu produzieren. Und sie kann sich möglicherweise ein zusätzliches Standbein aufbauen: Wenn sich das Pilotprojekt bewährt, springen vielleicht auch andere Länder, die ihre Orchideen retten wollen, auf den Zug auf. Interessenten gibt es bereits.
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Seien Sie Teil dieses einzigartigen Projektes und helfen Sie uns, die Königin der Pflanzen vor dem Aussterben in ihrem natürlichen Habitat zu schützen.